Donnerstag, 13. August 2015

Liste der tödlichen Gefahren

Dies ist mal keine Filmkritik, sondern aus keinem besonderen Anlass eine Art von Risiko-Liste. Es geht in diesem Beitrag um Aktivitäten, die (besonders für Kinder und Jugendliche) überraschenderweise tödlich enden können. Es ist einerseits natürlich gut, Dinge einfach mal auszuprobieren. Andererseits ist die Aufgabe der Eltern zu verhindern und aufzuklären, wenn durch diese Dinge dauerhafte Schäden, Verstümmelung oder Tod drohen. Manchmal sind Gefahren aber auch für Erwachsene nicht sofort offensichtlich, deshalb hier: 


Friendlys Liste der zehn unerkannten tödlichen Gefahren


Die Bahngleise sehen recht überwachsen aus, aber solange nicht ein solider Baum in der Mitte steht, kann immer noch der jährliche Zug daherkommen. Das wird dann recht unschön. Filmempfehlung dazu: Unstoppable
  1. Auf Wagons klettern
    Verrostete Wagons haben einen industriellen und zugleich Jack-London-Artigen Hobo-Charm, der es geradezu unmöglich macht,
    nicht heraufzuklettern. Wie romantisch wäre es, den Sternenhimmel vom Dach eines solchen abgestellten Waggons zu betrachten! Kommt dazu noch etwas Liebeseuphorie oder Alkohol oder beides, achtet man auch nicht mehr so streng auf die Frage, ob sich über dem Waggon eine Oberleitung befindet – man muss eben einfach nicht dranfassen, oder?

    FALSCH! Im Gegensatz zu handelsüblichem Haushaltsstrom von 230 Volt, der mit Sicherheit nicht aus der Steckdose kommt, hat die Oberleitung 15000 Volt und kann (und wird) spielend und blitzartig einen halben Meter Luftlinie zwischen Draht und Hirn des liebestrunkenen, angeheiterten Jugendlichen überwinden. Die Ergebnisse sind unschön und mit dem Donald-Duck-Erikativ „Zer-Asch“ nur unvollkommen beschrieben. Die meisten sterben. Die, die überleben, lassen sich mühevoll zwischen der Hälfte und 90% ihrer Haut wiederaufbauen. Lasst es bleiben und erzählt es weiter. Sagt, ein Elektroingenieur hätte euch drauf hingewiesen.
  2. Auf Gleisen fotografieren oder wandern
    Bahngleise, die in der Zentralperspektive aufeinander zulaufen – welch wunderschöner Ausdruck der Romantik (wenn man 13 Jahre alt ist). Kann man auch ganz gut mit Selbstauslöser oder als Selfie fotografieren. Allerdings haben Gleise zwei Richtungen: Woher-Wohin, Vorwärts-Rückwärts, Links-Rechts, Von hinten oder von vorn. Eure Kinder haben also eine 50%-Chance, dass sie den Zug sehen, der auf diesem Gleis auf sie zukommt. Und 50%, das nicht.

    Das Ergebnis sind murrende Reisende, die „wegen eines Personenschadens“ 45 Minuten auf freier Strecke stehen, und ziemlich viel Trauer bei den Verwandten. Eine Chance auf Überleben gibt es im Allgemeinen nicht. (Ich allerdings bin das seltene Beispiel eines Idioten, der auf Bahnschienen gewandert ist, der angefahren wurde und der es überlebt hat. Wahrscheinlich, damit ich das hier schreiben kann, wenn man schon an Schicksal glaubt, was ich nicht tue).

    "Alle buddeln im Sand, nur nicht Nick, der verschwand". Das man die Kinderleichen oft erst Tage später findet, weil ein einstürzendes Loch nahezu keine Spuren hinterlässt, ist dann auch schon wieder fast egal. Filmempfehlung dazu: Dune
  3. Im Sand buddeln
    Ist etwas Harmloseres denkbar als dieser unschuldige Strandspaß? Hier gilt: nichts übertreiben! Im feinkörnigen Sand kann man Stollen graben, die tiefer sind als eine Kind hoch. Stürzt der Stollen ein, ist das Kind weg und man kann lange suchen – manchmal tagelang. Das klingt unwahrscheinlich, passiert aber. Gegenmaßnahme: Nur so tief graben, dass der Kopf immer herausguckt.
  4. Improvisierte Sicherheitsgurte (und Leinen allgemein)
    Kinder spielen und bauen nach, was sie bei den Eltern sehen – da wird zum Beispiel eine Schaukel mit einem Sicherheitsgurt aus einem Springseil aufgerüstet. Die Konstruktion ist natürlich nicht bauartgeprüft, und der Mann vom TÜV würde auch die Augenbrauen hochziehen. Alles kein Problem, bis der kleine Sohn von der Schaukel springt, mit dem Hals im Seil hängen bleibt und nicht mehr auf die Füße kommt, bis ihm die Luft ausgeht. (Mir ist es noch rechtzeitig gelungen).

    Ein benachbartes Thema: bringt euren Kindern bei, sich nicht zum Spaß gegenseitig zu erhängen, auch dann nicht, wenn „Django unchained“ es vorgemacht hat. Wenn es Schwierigkeiten gibt, laufen wieder alle weg und nachher will es keiner gewesen sein.
  5. Gartenteiche
    Da nutzt auch schwimmen können nichts: einmal in den Gartenteich gefallen, kommt man angesichts glitschigen Uferbewuchses und aufgeweichter Erde einfach nicht mehr heraus, wenn man auf Seerosenlänge nicht stehen kann. Abhilfe schaffen solide Teichgitter. Bitte auch, wenn Ihr selbst keine Kinder habt – der Nachbarsjunge kommt irgendwann bestimmt unterm Zaun hergekrochen, um Eure Goldfische zu jagen, und was dann passiert, ist geeignet, den Nachbarschaftsfrieden nachhaltig zu stören.

    Und es hat Zoom gemacht - ran auf einen halben Meter (je nach Luftfeuchtigkeit) und ihr seid tot. Spukhafte Fernwirkung hätte Einstein das genannt.  
  6. Kleinkinder im Auto lassen
    Wenn es warm ist und die Sonne auf das Auto scheint, ist es ratsam, seine Kleinen nicht im Auto zu lassen. Kleinkinder haben einen sehr viel unvollkommeneren Temperaturausgleich als Erwachsene. Ihr wollt nicht nach dem (gefühlt) kurzen Schwatz mit dem Nachbarn und der Beratung durch den Fachverkäufer aus dem Obi kommen und für eure Kleine den Gardinenwagen rufen. Abhilfe: die quengligen Kinder einfach mit rein nehmen. Ja, es nervt. Aber dafür hat man länger was von ihnen.
  7. Lampenöl
    Ist ein brandgefährliches Zeug. Entgegen der Erwartung, kriecht das besonders niedrig-viskose Zeug sofort in die Lunge, auch wenn man es nur im Mund hat – ein Schluck aus der Pulle, in manchen Fällen das Lecken am Docht kann zu viel sein. Die Folge sind Entzündungen, schwere und dauerhafte Lungenschäden oder der Tod. Wenn das nicht reicht: im Allgemeinen sind die Bestandteile auch noch giftig. Es sind Lampenöle auf dem Markt, die ungiftig sind und sich nicht wie „Caramba“ in die Lunge vorarbeiten, aber weil die Unterscheidung so schwierig ist (überall steht: „Laborgeprüft“ und „Höchste Reinheit“ drauf), und weil Tante Hedwig vielleicht ihr eigenes Öl verwendet (aus Altbeständen – das Zeug verdirbt ja nicht) sollte man lieber auf Lampenöl im Haushalt verzichten.
    Labamba-Mongongo! Benzin brennt nicht nur, es explodiert auch, weshalb es auch gerne im Krieg verwendet wird. Filmempfehlung dazu: "Black Hawk Down"

  8. Grill anzünden mit Flüssigkeiten, insbesondere mit BENZIN
    Warum sollte man so etwas tun? Antwort: Zunächst einmal haben wir nicht immer diese praktischen Papp-Bröckchen dabei, die meiner Meinung nach die augenblickliche Krone des Grill-Anzündens darstellen. Zum Zweiten sind wir in diesem Fall auch manchmal etwas unlustig und müde, ein Feuer nach alter Väter Sitte mit kleinen Holzspänen und Zeitungspapier anzufachen. Und zum dritten macht es auch einfach Spaß, aus der Ferne ein Streichholz in einen spiritusgetränkten Grill zu schnipsen und die Verpuffung zu erleben, mit der sich der Alkohol entzündet. Also: die Verlockung ist schon da. Und sooo gefährlich ist es meiner Erfahrung dann eben doch nicht, vorausgesetzt, man hält Abstand beim Anzünden, ist halbwegs erwachsen und nüchtern und schüttet keinen Spiritus auf die glühenden Kohlen. 


    Ganz anders sieht es aber aus, wenn man statt Spiritus BENZIN verwendet. Wo Spiritus einmal „Wuuuusch“ macht und dann bläulich vor sich hin britzelt, produziert ein benzingetränkter Holzstoß einen veritablen Feuerball, dessen Größe schwer vorherzusagen ist und der alles in der Nähe in Brand setzt. Das ist eher Fassbombe als friedlicher Grillabend – Druckwelle übrigens inklusive. Wie auch ein paar andere Dinge, weiß ich das aus eigener Anschauung. Ich bin mir nicht sicher, ob die Armbehaarung meines Freundes Jochen wieder nachgewachsen ist.

  9. Bomben bauen
    Ist unverändert beliebt bei allen Jugendlichen. Als Sprengstoff wird von abgeschabten Streichholzköpfen über selbstgemischtes Schwarzpulver, Kaliumpermanganat, Zucker, Stickstoffdünger bis zu Benzin alles verwendet. Fast alle Bauarten und Substanzen sind geeignet, dem jungen Experimentator ein paar Finger, das Augenlicht oder das Leben zu nehmen, und das passiert auch regelmäßig. Wenn schon weiland Alfred Nobel die Herstellung von Explosivstoffen behördlich verboten wurde, weil sich seine Produkte so häufig selbst entzündeten, woher soll die Jugend das dann beherrschen? Finger weg, solange ihr sie noch habt
Bewusst nicht erwähnt habe ich übrigens die Gefahren, die allgemein bekannt sind, wie Alkoholmissbrauch, Drogen, zu schnelles Fahren etc.

Tja, die Liste ist nicht vollständig und wahrscheinlich fallen Euch noch ein paar andere nicht-offensichtliche tödliche Gefahren ein: her damit!

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