Mittwoch, 19. Juli 2017

To the Bone

Als positiver Nebeneffekt hat der Film mich schon einmal davon abgehalten, nach dem Sport noch eben die Nudeln von vorgestern zu verspeisen – möglicherweise mit positiven Auswirkungen auf meine Gesundheit, mindestens aber auf meine sportliche Leistung (na, welchen Sport betreibe ich da so altersunangemessen übermotiviert? Wer richtig tippt, bekommt mein Rezept für Nudeln mit Zitronenhuhn…)

Und ich weiß natürlich, dass dieser Beginn auch schon wieder ein Beispiel für ignorantes Nicht-Verstehen und Verharmlosung der Problematik Anorexia Nervosa ist, aber scheiß drauf was soll’s.

Sicher sieht sie gut aus, solange der Körper weitgehend bedeckt ist. Ist das zu wenig Abschreckung? Zu viel Attraktivität? Am Ende ist mal wieder jeder selbst für sich verantwortlich.

In „To the Bone“ geht es um Magersucht. Heldin Eli ist künstlerisch begabt und lebt in einer wirklich wilde Patchwork-Familie: soweit ich es verfolgen konnte sind das a) eine genetische Mutter, b) deren Frau (Ehe für alle! Juhu!), plus c) die (logorrhoesche) zweite Frau ihres Vaters und c) die liebevolle kleine Stiefschwester, die genervt ist, dass sich alles um die Große dreht. Der d) Vater lässt sich (running Gag des Films) IMMER im letzten Moment telefonisch entschuldigen wenn es um das Leben seiner Tochter geht – wahrscheinlich geht ihm das einfach zu nahe, schnief....

„Da sind ziemlich viele Mütter hier im Raum“

Der Film erzählt in ruhigen Einstellungen, alle Darsteller sind anmutig und sympathisch, die Heldin ist so außergewöhnlich begabt, wie man es selbst vielleicht gern wäre, sogar für die verwirrten (Mütter) und (abwesenden) Väter wird um Verständnis geworben. Deshalb operiert „To the Bone“ immer an der Kante zum „Pro-Ana“-Film, einer Bewegung, die Magersucht als wünschenswertes oder zumindest gleichwertiges Verhalten darstellt. Hauptdarstellerin Lily Colins (ja, die Tochter von Phil Colins) spielt intensiv und glaubwürdig. Sie ist auch der Sicherheitsgurt des Films: selbst mit einer Magersucht-Vergangenheit sagt sie zur Verherrlicht-der-Film-die-Magersucht-Kontroverse: „This was something I needed to talk about and bring to the attention of more people […] It is still considered quite taboo to talk about…“. Naja, für mich ist das allein noch keine schlüssige Argumentation, aber es kann nicht jede Schauspielerin Jodie Foster oder Emma Watson sein.

Die Stärke des Films ist in meinen Augen, dass er dem Phänomen sein Rätsel lässt. Eli antwortet vor dem Ganzkörperspiegel auf die Frage ihrer Mutter „Findest Du das eigentlich schön“ schlicht mit „Nein“. Ohne Erklärung und ohne Ausflüchte. Ein Rätsel, wie gesagt.

Fazit: Ein edukativ wertvoller und zugleich unterhaltsamer Film, der den Empfindsamen unter uns die Augen schon mal etwas feucht werden lassen kann. Für mich eine glatte ZWEI

P.S.: Bin runter auf 72 kg! Und ein Freund hat vor einer Woche angemerkt „dass ich ja wohl auch ziemlich viel Krafttraining machte“ – das freut den Waschbär!

P.P.S.: Natürlich reine Männerdiskriminierung und auch ein übles Klischee, dieser Vater, der zuverlässig anruft, um zu sagen, dass er zur Familientherapiesitzung jetzt doch nicht kommt. Aber lustig!

P.P.P.S.: Ja, ich weiß, was Anexoria Athletica bedeutet. 

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